Schmuck gehört in Indien zu jeder Frau, egal wie arm oder reich sie ist. Wenn sie es sich leisten kann, trägt sie Gold, Edelsteine, Diamanten, Perlen und hat reichliche Auswahl im Safe. Wenn sie zur armen Bevölkerungsschicht gehört, dann hat sie meist ihren gesamten Besitz in Silber oder auch etwas Gold am Körper. Besonders in ländlichen Gebieten tragen die Fraune sehr dekorativen, schweren Silberschmuck und wenn immer sie etwas Geld angespart haben, kaufen sie ein neues Stück hinzu. Das ist die indische Art der Werterhaltung, anstatt es zur Bank zu tragen. Denn man trägt reines Silber und Gold und wenn es Geldprobleme gibt, wird ein Schmuckstück verpfändet, oder meist gleich zum aktuellen Silber- oder Goldpreis verkauft. Schmuck demonstriert den Wert einer Frau, den Reichtum einer Familie und man trägt so viel und so auffällig wie nur möglich. Nun entspricht dies nicht meinem Verständnis von Schmuck präsentieren, ich denke eher an schmücken und dann an Weihnachtsbaum und bleibe lieber im dezenten Department. Ich habe einen Hals, zwei Arme und zehn Finger, wie viel Schmuck passt da schon dran. Und wenn er wertvoll ist, wollen Diebe ihn auch gerne haben, das ist ein Risiko. Diese zurückhaltende Haltung hat meine indische Schwiegermutter, die noch im kolonialen Indien aufwuchs, niemals verstehen können. Dies war und bleibt für immer ein Punkt der niemals endenden Diskussionen mit ihrem Sohn, meinem Göttergatten. Seine Haltung dazu ist: warum gutes Geld in teuren Schmuck investieren, wenn man dieses Geld sehr gut auf einer Bank aufbewahren oder damit Immobilien erwerben kann. Warum der Frau Schmuck schenken, die weiß, sie wird geschätzt und sie kennt ihren Wert, denn am Ende legt sie sowieso alles in den Safe und trägt es nicht. Unsere Mataji hingegen argumentierte dass sie sich zu Grunde schämen muss, weil ihre Schwiegertochter selbst auf Empfängen und Hochzeiten wie eine arme Frau ohne Schmuck erscheint und die Leute dann tratschen, dass der Sohn wohl doch nicht sein Glück gemacht hat und als armer Schlucker im Ausland lebt. Eine Schande wenn diese Schwiegertochter dann auch noch sichtbar für die Nachbarn die Küche selber putzt. Wir haben zu diesem Thema nie einen Konsens gefunden, aber wir haben uns in einen wunderbaren Kompromiss eingelebt. Wenn ich bei der Familie bin, trage ich glänzenden, schweren Mode - Schmuck an allen nur denkbaren und gut sichtbaren Stellen. Ich habe meine „Indien Schmuckschatulle“ gut bestückt mit dekorativem Schmuck, der so aussieht als wäre er ein Vermögen wert. Wer den klauen will, kein Problem, ich weiß, wo es Nachschub gibt. Und wenn wir dann zu Besuch kommen, dann möchte Mataji mich natürlich überall herumzeigen. Auch das bekommt sie. Einen Tag in meinem Leben schenke ich ihr, da kann sie über mich verfügen und ich bin eine brave Bahu. Ich frage schon nicht mehr ob sie die „Große Show“ wünscht, da kommt immer ein herzliches ‚ja‘. Die große Show bedeutet, ein teurer, eleganter Sari, dicker, klingelnder Goldschmuck an Ohren, beiden Armen, mehrere Ketten am Hals und mindestens 4 Finger mit dickem Klunker, Fußkettchen die klingeln und Zehenringe. Wenn möglich an den Armen noch klingelnde Glasreifen, Bangles. Mehr passt nicht dran, und ganz wichtig ist der Bindi, der Punkt auf der Stirn, passend zum Ensemble und glitzernd nach der neuesten Mode. Natürlich wäre auch ein Nasenstecker gerne gesehen, aber so weit hab ich es noch nicht geschafft, meine Nase ist noch nicht „gestochen“ und das werde ich hoffentlich auch nicht mehr müssen. Eines Tages meinte Mataji, wenn ich meine Nase piercen lasse, kauft sie mir einen Diamanten der dort hin passt. Meine Antwort war, dass er mindestens die Größe eines Daumennagels haben muss, denn ich mag es groß und gut sichtbar. Das lies Mataji leicht erbleichen und mit einem scheuen Lächeln, die Angelegenheit ‚vergessen‘. Sie ist eine sehr sparsame Lady, die kein Geld unnötig verplempert. Sie hat in der Regel immer dafür gesorgt dass ihre Söhne schönen Schmuck für ihre Frauen kaufen. Dabei hat sie gerne den Einkauf erledigt und durfte sich auch immer selber etwas aussuchen. Verständlich, dass sie immer wieder für ein neues Stück plädierte. Sie selber war sehr zurückhaltend wenn es ans verschenken von Schmuck ging, aber es gab keinen besseren Berater, bzw. Verhandler mit den Juwelieren, als Mataji. Für diesen einen Tag werde ich bei der kompletten Verwandschaft vorgeführt, mit Süßigkeiten gefüttert, bewundert und in die Ecke gesetzt, bis Mataji alle Nettigkeiten ausgeplaudert hat und zum nächsten Ziel weiter möchte. Es ist anstrengend und nicht immer verträgt mein Magen, was serviert wird, aber Mataji ist danach so glücklich wie ein Kind an Weihnachten und es ist ein Tag und alles ist vorbei. Wie schmückt sich eine brave indische Schwiegertochter? Es ist aufwendig aber einzigartig und kreativ. Jeder Schmuck ist in der Regel handgefertigt nach traditionellem Design, das zeigt wo er herkommt und wie viel Kunstfertigkeit drin steckt. Man trägt auf jeden Fall Ohrringe und die sind manchmal dick und schwer und manche klingeln (Chumkee). Indische, ältere Frauen haben oft sehr große Ohrlöcher, die vom jahrelangen Tragen von schwerem Schmuck ausgeleiert sind und manchmal muss man sie sogar wieder zu nähen, weil die Ohrringe durch rutschen. Dann ist ein Nasenstecker aus Gold oder mit einem kleinen diamanten oder einen ganz winzig kleinen Perle in der Regel immer mit im Sortiment. Und die anständige, bzw. verheiratete Frau trägt eine Mangal Sutra. Das ist eine Kette mit schwarzen Perlen und Goldanhänger, die bekommt die Frau bei der Hochzeit von ihrem Mann geschenkt. Sie hat die Bedeutung wie bei uns ein Ehering und die gute Frau trägt sie immer. Aber dazu sollte noch eine dekorative Halskette kommen, es können auch zwei sein. Schade man hat nur einen Hals. An den Handgelenken trägt man jeweils einen Armreifen oder auch zwei, immer passend zu einander und oft werden die dekorativen Glasbangles noch mit dazu getragen. Die haben auch eine wichtige Bedeutung, denn solange die Armeifen klingen, ist die Frau beschäftigt und niemand schaut was sie tut. Wenn es still wird, schaut man schon mal nach, warum die Arme nicht klingeln, denn man will eine fleißige Frau im Haus und verbindet den Nutzen mit dem schmückenden Aspekt. Ich bekam mein erstes paar Bangles kaum dass ich meinen Fuß in das Haus meiner Schiegermutter setzte und es wurde immer dafür gesorgt, dass ich nie ohne auskommen mußte. Heute kann ich mir kaum vorstellen ohne mindestens einen einfachen Armreifen zu sein, da wäre ich dann nackt. Ja, auch die 10 Finger sind manchmal nicht ausreichend. Man trägt heutzutage schon Eheringe, ja sogar Verlobungsringe oder Diamantringe, oder Vorsteckringe. Dann trägt man einen Perlenring, für Glück, dann einen Saphir oder Carneol oder Tigerauge, oder alles zusammen, an jedem Finger etwas. Manche Ringe sind Glücksbringer. Man trägt was der Astrologe empfiehlt. Wir Frauen brauchen auch dekorative Ringe, und kaum eine Hand ist jemals ohne Ring. Selbst Männer müssen sich mit Glückverheißenden Steinen und Ringen versorgen, denn niemand riskiert die Götter zu verärgern oder das Glück zu vernachlässigen. Die traditionellen Damen tragen Sari und haben dabei meist die wichtigsten Schlüssel an einem dekorativen Anhänger am Bund eingesteckt. Das bedeutet sie haben die Macht über die Besitztümer, die Küche, die Vorräte und den Rest des Hauses. Eine klare Demonstration wer der ‚Home Minister‘ ist. In manchen Regionen tägt man über dem Sari einen silbernen Gürtel um die Hüfte. Überall ist es üblich klingelnde Silberketten um die Fußgelenke zu tragen, das gibt einen wunderschönen Klang und zeigt an wo die Dame sich gerade bewegt. Und da man die Finger schon dick bestückt mit Ringen hat, steckt man sich noch weitere Ringe and die Fußzehen, immer an den zweiten Zeh, da behindert es am wenigsten und sieht immer besonders gut aus. Ja es ist schade dass wir nur so wenig Platz für Schmuck haben, aber zum Glück haben wir endlose Gelegenheiten jeden Tag ein neues Stück zu tragen und damit den Kauf einer weiteren Goldkette zu gewährleisten. Was sonst kann man sich zu Weihnachte, Geburtstag, Hochzeitstag schenken lassen, was wertvoll und zeitlos ist, den Wert erhällt und trotzdem Freude macht.
Recent Comments